• Rolf Schmid «Echt jetzt?»
    DIES UND DAS VON HIER UND ANDERSWO
    TEXTE & NOTIZEN
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»Ich möchte doch nur einen schönen Abend haben«, sagt die Frau im Ristorante am Nebentisch leise zu ihm. Dann sagt sie lange nichts mehr. Sitzt einfach nur noch da und wartet. Und weiss nicht einmal genau, worauf.

Ihn interessieren diese dünnhäutigen Befindlichkeiten im Moment weniger. Seine Tagliata »was not good« und die Reaktion des Personals war seiner Ansicht nach sogar noch schlechter als das Fleisch. Und so was lässt er natürlich nicht durchgehen, selbst in einer ...

FRAUENGESCHICHtEN
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Stark und tapfer lebt sie in den Ruinen ihrer unerfüllten Wünsche, zwischen den Trümmern ihrer geplatzten Träume.

Da ist sie wieder. Steht da und fällt auf. Schlank und schön. Und totzdem, Glücklichsein, sieht anders aus. Aber was soll’s und wer ist das schon, der kurz nach Mitternacht mit einem leer getrunkenen Glas voller Eiswürfel an einer Bar lehnt. Leicht betrunken und etwas enttäuscht. Wieder einmal. Auch sie hat sich alles ganz anders vorgestellt. Früher. Aber dorthin ...

Das Lachen der anderen
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Es ist noch früh am Morgen. Die beiden Frauen sitzen im Zug und reden. Sorgfältig, langsam und leise. Die Worte sind gewählt, die Stimmen gedämpft, die Gedanken scheinen schön und wichtig. Mit anderen Worten, es tönt so aufgesetzt empfindsam wie eine Moderation auf DRS 2. Dann schaut die eine der beiden unvermittelt auf ihr summendes Smartphone und lächelt still in sich hinein: ihr Partner wünscht ihr einen schönen Tag. Ist das nicht schampar schön?

»Es sind doch immer wieder die kleinen ...

Good old new York
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Hochsommer in Manhattan. Ich war wieder zu spät aufgestanden, rauchte eine Zigarette zum Fenster hinaus und machte mich dann auf den Weg. Ich überquerte die 5th Avenue, nahm bei der Central Station die Metro und fuhr runter bis zur Canal Street. Als ich dort ausstieg, hatte ich vergessen, was ich hier wollte und weshalb ich jetzt eigentlich da war. Das erinnerte mich an meinen Grossonkel Leonhard, der 1964 zur Landesausstellung nach Zürich fuhr. Oder an »À bout de souffle«, den Klassiker von Jean-Luc ...

Die Membrane
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Sehnst du dich nicht nach einem Hauch von Leben,
Nach einem heissen Arm, dich fortzutragen
Aus diesem Sumpf von öden, leeren Tagen,
Um den die bleichen, irren Lichter weben?
Hugo von Hofmannsthal

Drei Tage im Glück. Am letzten Tag hält es die Seidenbluse nicht mehr aus. Am Frühstückstisch muss und bricht es aus ihr heraus, unvermittelt und ungefragt. Ihr finales Fazit, ihre zusammengereimte Zusammenfassung, damit auch die weniger Feinsinnigen und Schöngeistigen ...



Liegen bleiben
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Da liegen sie also, einer neben dem andern, am kleinen Strand vor dem Lido. Sie schauen nicht weg, sie schauen einfach in eine andere Richtung. Hinaus aufs Meer, in die unendliche Weite. Es ist ruhiger als sonst, die Strasse hinter dem Strand ist heute gesperrt. Ein Carabineri winkt und erklärt. Dann nähert sich der Zug. An der Spitze der Pfarrer im Ornat. Sancta Maria ora pro nobis nunc et in hora mortis nostrae beten die alten Frauen. Nonnas wie aus neorealistischen Filmen, mit schwarzen Kopftüchern ...

ODE AN DIE HYPOTAXE
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Emsig rührte Ursi, die schöne Sennerin mit dem wilden blonden Haarschopf die dampfend warme Milch um, die sie soeben ab dem vom Russ vieler Jahrzehnte geschwärzten Herd in der einfachen Alphütte weit oberhalb Surava genommen hatte, um sich vor Tagesanbruch, wie sie es seit vielen Sommern jeden Morgen zu tun pflegte, einen grossen wärmenden Schluck zu gönnen und damit Kraft für ihr schönes aber auch strenges Tagwerk, welches ihr auch heute bevorstand, zu schöpfen.

Ohne Groll schaute die ...

Ganz schön hässlich
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Von Kopf bis Fuss auf Ferien eingestellt. Unbeschwert in den Süden fahren und zwei Wochen herumlaufen wie ein Idiot. Gut aufgelegt und schlecht angezogen. Bankprokuristen, Sachbearbeiter und Filialleiter zeigen Mut und der Welt ihre haasträubenden Beine. Eine Zumutung auch die Gattinen. Sie, die sonst stilsicher Tischtücher für Kindergeburtstage und Kravatten für Firmenessen aussuchen, zwängen ihre Kilos jetzt bedenkenlos in enge, weisse Shorts und schrecken vor pinkfarbenen T-Shirts nicht zurück, ...

Hunger im Hangar
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Das Lokal ist bieder, die Portionen sind gross. Beängstigend schon fast. Spaghetti della casa. Aber es schaut fein aus und wir haben Zeit. – Er sieht das anders, hat seinen Pasta-Berg in fünf Minuten weggeschaufelt, die ganze Ladung in sich hineingefressen wie ein Müllschlucker. Und während er den Teller mit Brot leergefegt und die letzten Saucenreste zusammenwischt , sagt er, das sei ja noch gar nichts, drei solcher Portionen wären ihm also schon recht. Er habe immer noch Hunger. Er habe sowieso ...

Leben ist leiden
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Sehen alle so aus, als hätten sie irgendwas falsch gemacht im Leben. Oder noch schlimmer, es zu spät bemerkt. Und so laufen sie dann rum in ihren Ferien. Irgendwie enttäuscht, mit kurzen Hosen und langen Gesichtern. Ja, das Leben ist ganz schön ungerecht und die Empfehlungen des Reiseführers auch alle nur halb so schön. Zwei Wochen haben sie gebucht. Da müssen sie jetzt durch. Wieder mal das kurze Ende erwischt. Sie sind es gewohnt. Und haben es schon so verinnerlicht, dass ihnen vielleicht sogar ...

Ein Thurgau-Krimi
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Kommissar Casparis’ erster Fall

Hier als bebildertes Pdf

Reto Casparis fuhr mit dem Velo zur Arbeit. Es war schweinekalt an diesem Oktobermorgen. Er hatte die Handschuhe Zuhause vergessen und war etwa so motiviert wie eine rumänische Nutte im strömenden Regen. Der Ledersattel seines alten Tour de Suisse-Velos war feucht, die Kette rostig und hinten fehlte die Luft. Schon etwas peinlich für einen von der Kantonspolizei, das ...

Ein Strauss Neurosen
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Kommissar Casparis’ tiefster Fall

Seit zweienhalb Stunden sass Komissar Casparis zerknittert wie ein alter Sitzsack in seinem Wagen mitten im Nebel und beobachtete den Eingang des heruntergekommenen Wohnblocks in Arbon. Es war Freitag und es war Feierabend. Ausserdem war der Fall längst abgeschlossen. Herrgott nochmal, wieso konnte er die alte Geschichte nicht endlich auf sich beruhen lassen! Immer wieder griff er nervös zum Feldstecher und nahm das Ende der schmalen Zufahrtstrasse ins ...

Viktor & Vladimir
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»Money is not the problem. I have money«, sagt Vladimir. Viktor nickt nur, sagt aber nichts. Auch er hat keine Probleme und offensichtlich auch keinerlei Sprachkenntnisse. Das kümmert ihn wenig, denn Geld ist schliesslich eine Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht. Die beiden Russen sind zum Tauchen nach Sardinien gekommen, direkt von Zypern, fliegen Ende Woche nach Kenia weiter und eine Woche später nach Grenoble. Wieso denn nicht, wer gut verdient, hat auch einen guten Urlaub verdient. ...

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Churar Saga
(erzählt von Dr. K. Lendi)

Hier meine Scans des Manuskrips als Pdf

Iar müan nitt öppa maina, be üs z'Chur dunna sei ma abargläublschar alls an andara Örtar. Miar wüssan ganz genau, dass dia gruusiga Gschichta, wo ma anandar varzellt, Saha sint, wo hütt nümma vorkhemmtan, und mengga Suppaschnutz lacht dia alta Lüt tüchtig uus, wo an söttigi Saha glauban. Abar schöö isch as halt glitch no gsi, wo nis dar Neeni und ...

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Texte | Hardy Hemmi