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NOTIZBUCH

Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt auch, wenn man keine hat. Wilhelm Busch
Gedanken sind nicht stets parat, man schreibt
auch, wenn man keine hat. Wilhelm Busch
Tag: Frauengeschichten

FRAUENGESCHICHTEN

»Ich möchte doch nur einen schönen Abend haben«, sagt die Frau im Ristorante am Nebentisch leise zu ihm. Dann sagt sie lange nichts mehr. Sitzt einfach nur noch da und wartet. Und weiss nicht einmal genau, worauf.

Ihn interessieren diese dünnhäutigen Befindlichkeiten im Moment weniger. Seine Tagliata »was not good« und die Reaktion des Personals war seiner Ansicht nach sogar noch schlechter als das Fleisch. Und so was lässt er natürlich nicht durchgehen, selbst in einer ...

FRAUENGESCHICHtEN

Stark und tapfer lebt sie in den Ruinen ihrer unerfüllten Wünsche, zwischen den Trümmern ihrer geplatzten Träume.

Da ist sie wieder. Steht da und fällt auf. Schlank und schön. Und totzdem, Glücklichsein, sieht anders aus. Aber was soll’s und wer ist das schon, der kurz nach Mitternacht mit einem leer getrunkenen Glas voller Eiswürfel an einer Bar lehnt. Leicht betrunken und etwas enttäuscht. Wieder einmal. Auch sie hat sich alles ganz anders vorgestellt. Früher. Aber dorthin ...

FRAUENGESCHICHTEN

Es wird immer genug Einsame und Erfolglose
geben, die das, was eine Bar zu bieten hat, verzweifelt
nötig haben, jene vorurteilsfreie Sphäre nämlich,
in der niemals etwas Aussergewöhnliches geschieht.
W. H. Auden

Sie steht allein da. Die unscheinbare, kleine Frau mit den kurzen Haaren und den dunklen Augen. Sie hält sich an ihrem Rotwein und einem Glas Wasser. Ob sie noch nüchtern ist? Schwer zu sagen. Dass sie verzweifelt ist, sieht man hingegen auf den ersten ...



Das Lachen der anderen

Es ist noch früh am Morgen. Die beiden Frauen sitzen im Zug und reden. Sorgfältig, langsam und leise. Die Worte sind gewählt, die Stimmen gedämpft, die Gedanken scheinen schön und wichtig. Mit anderen Worten, es tönt so aufgesetzt empfindsam wie eine Moderation auf DRS 2. Dann schaut die eine der beiden unvermittelt auf ihr summendes Smartphone und lächelt still in sich hinein: ihr Partner wünscht ihr einen schönen Tag. Ist das nicht schampar schön?

»Es sind doch immer wieder die kleinen ...

Die Membrane

Sehnst du dich nicht nach einem Hauch von Leben,
Nach einem heissen Arm, dich fortzutragen
Aus diesem Sumpf von öden, leeren Tagen,
Um den die bleichen, irren Lichter weben?
Hugo von Hofmannsthal

Drei Tage im Glück. Am letzten Tag hält es die Seidenbluse nicht mehr aus. Am Frühstückstisch muss und bricht es aus ihr heraus, unvermittelt und ungefragt. Ihr finales Fazit, ihre zusammengereimte Zusammenfassung, damit auch die weniger Feinsinnigen und Schöngeistigen ...



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Texte | Hardy Hemmi